Die SchülerInnen des HVG sind mit viel Einsatz dabei gewesen, als ein Repräsentant der German Gaelic Athletic Association vor Ort in der Sportart schulte. Bildquelle: HVG

„Gaelic Football“ ist in Deutschland kaum bekannt, gleichwohl es sich dabei um eine Sportart handelt, „welche“ bereits im Jahr 1527 erstmalig belegbar erwähnt wurde. In Irland hätte man unsere Überschrift vermutlich nicht verstanden, dort handelt es sich um einen Nationalsport. Warum unsere Redaktion gerade Sven-Guide Becker Fragen gestellt hat, klärt sich durch das folgende Interview, welches wir einem kleinen geschichtlichen Abriss voranstellen wollen:

 

Wer ist auf die Idee gekommen?

Das war tatsächlich ich, war ein Zufallstreffer über das Internet, ein YouTube-Vorschlag. Dann hatte ich die Idee, das in den Unterricht einzubauen, weil ich gerade einen tollen FuBa-/ LA – Kurs habe. Zusammen mit einem Praxissemester-Studierenden der Uni Paderborn haben wir dann zunächst selbst ein didaktisches Konzept entwickelt, das dann durch Publikationen aus der Schweiz bestätigt wurde. Um Gaelic Football aber „so richtig“ zu etablieren und ggf. Wettkämpfe zu ermöglichen, habe ich den Kontakt zur Dachorganisation hergestellt.

 

In welcher Form wird die Sportart in den Schulsport integriert?

In jedem Jahrgang gibt es neben der Obligatorik auch Freiräume, die gefüllt werden sollen. Zudem gibt es auch den Bereich „Spiele anderer Länder“ in Klasse 8 zum Beispiel.

 

Wird eine Aufnahme von Interessierten auch außerhalb des Schulbetriebes angestrebt?

Das kann ich persönlich mir eher nicht vorstellen – Schulsport ist für Schüler.

 

Da die Sportart schon sehr körperbetont ist – rechnen Sie mit Gegenwind aus den Reihen von Schülerschaft oder Eltern?

Tatsächlich eher nicht – selbst bei dem von mir unterrichteten Rugby gab es da nichts. Wir unterrichten das ja auch getrenntgeschlechtlich. Und da nur der Ballträger körperlich angegangen werden darf, kann er das durch rechtzeitiges Passen vermeiden. Im Bereich des Ladies-Gaelic-Football wird auf aggressives Tackling ohnehin verzichtet.

 

Welches Equipment wird noch benötigt?

Die vorhandenen Ressourcen (Bälle, Tore, Spielfeld) reichen grundsätzlich aus, auch wenn es spezielle Bälle gibt. Die Torpfosten müssten noch nach oben verlängert werden, was mit günstigen Materialien aus dem Baumarkt umsetzbar ist.

 

Ist eventuell eine Kooperation mit einem Blomberger Sportverein denkbar/ in Planung?

Ja, tatsächlich habe ich die Fußball-Trainer des BSV (in dessen erweiterten Vorstand ich ja auch bin), informiert. Ich bin auf die Reaktion gespannt. Denkbar wäre ja ggf. auch, nur kleine Einheiten als Abwechslung in das Training einfließen zu lassen („differentielles Lernen“).

 

An welchen Wettbewerben gedenken Sie im Rahmen einer Schulmannschaft teilzunehmen?

Wenn wir als Schule als Verein registriert werden könnten, dann gäbe es die Möglichkeit, an internationalen Wettkämpfen im Jugendbereich anzutreten, z.B. in den BeNeLux-Ländern.

 

An wie vielen Schulen in Deutschland wird die Sportart bereits unterrichtet?

Ich wüsste von keiner, aber das heißt nichts. (Anm. d. Red.: Auch wir haben bei einer oberflächlichen Recherche keine weitere Schule gefunden.

 

Wie viele Vereine sind in Deutschland bereits aktiv?

Laut Wikipedia sind von 11 GAA – Vereinen 9 im Bereich Gaelic Football aktiv.


Zu den geschichtlichen Hintergründen ist wikipedia.de (Quelle) Folgendes zu entnehmen: „Die erste Erwähnung eines Spiels namens Football in Irland findet sich in den Statuten von Galway aus dem Jahre 1527. Durch den strengen Sunday Observance Act von 1695 wurde das Spielen am Sonntag verboten. Die Strafe für die Nichtbeachtung des Verbots betrug 1 Shilling, was zur damaligen Zeit ein beträchtlicher Geldbetrag war. Es erwies sich aber als schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, dieses Verbot auch durchzusetzen.

 

Hinweise für Football-Spiele finden sich sowohl für das 17. als auch das 18. Jahrhundert. Insbesondere Gedichte geben eine Ahnung von der rauen Natur des damaligen Spiels. Es ähnelte mehr einer Balgerei, als einem organisierten Spiel. Der Dichter Séamas Dall Mac Cuarta beschreibt 1670 in seinem Gedicht Iomáin na Bóinne ein Spiel in Fennor in der Nähe von Slane. Sehr detailliert schildert der Dichter Matt Concannon der Ältere ein Spiel zwischen Mannschaften aus Lusk und Swords im Jahre 1720. Verschiedene Aspekte wie Fangen, Kicken und Passen des Balls werden genau beschrieben.

 

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Variante des Footballs namens Caid in Teilen Irlands, insbesondere in Kerry sehr populär. Man unterschied dabei zwischen zwei Spielformen. Das Field Caid wurde auf einem abgegrenzten Spielfeld gespielt. Als Tore dienten die Äste von Bäumen. Beim Cross-country Caid ging es darum, den Ball über die Grenze der gegnerischen Gemeinde zu tragen. Die Spiele wurden in der Regel am Sonntag nach dem Kirchgang ausgetragen und dauerten oft den ganzen Tag.

 

Während der 1860er und 1870er Jahre wurden Rugby und Assoziationsfußball in Irland immer beliebter. Diese Sportarten waren zu der Zeit schon in recht feste Regeln gefasst. Währenddessen wurde Caid von einem Spiel abgelöst, das im Allgemeinen nur rough-and-tumble-game genannt wurde. Wie es der Name schon ahnen lässt, ging es bei diesem Spiel eher wild und ungezügelt zu. Es gab nur wenige Regeln und es war fast alles erlaubt, um den Gegner zu Fall zu bringen oder ihm den Ball abzunehmen.

 

Mit der Gründung der Gaelic Athletic Association (GAA) im Jahre 1884 ging die Zeit dieser wilden Footballspiele zu Ende. Die Gründer der GAA, Michael Cusack, und Maurice Davin formulierten die ersten verbindlichen Regeln für Gaelic Football und legten die Basis für das heutige Spiel. Das erste Spiel nach diesen Regeln fand am 15. Februar 1885 in Callan im County Kilkenny statt. Die neuen Regeln und der Dachverband sorgten für eine schnelle Verbreitung des Spiels in ganz Irland.“

 

Die Regeln der Sportart sind deutlich komplizierter als beim Fußball, eher vergleichbar mit dem Football. Wer mehr über Gaelic Football in Erfahrung bringen möchte, der findet HIER weitere Informationen. Ein tolles Video zu den Regeln haben wir auch zum Beispiel HIER gefunden. In jedem Fall eine tolle Idee von HVG-Lehrer Sven-Guido Becker, eine solche Sportart an die Blomberger Schule zu bringen. Informationen gibt es übrigens auch auf der Seite der Schule unter dem Link“https://hvg-blomberg.de/2023/09/22/peil-ghaelach/„.