Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge: „Es braucht mehr als ein Schnäppchen-Angebot für die Verkehrswende.“ Foto: Kerstin Vieregge.

Drei Monate lang sollte das 9-Euro-Ticket allen Bundesbürgern ein Ansporn sein, um vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Ende August läuft das Angebot aus. Grund genug für die lippische CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge, vor der Diskussion über Nachfolge-Projekte zunächst einmal Kosten und Nutzen aus dem lippischen Blickwinkel einer ländlichen Region zu analysieren .

 

„Mindestens 2,5 Milliarden Euro wird es den Steuerzahler kosten, um die durch das 9-Euro-Schnäppchen verursachten Defizite der Verkehrsunternehmen auszugleichen“, beziffert sie die von der Bundesregierung schon im Vorfeld einkalkulierten Verluste. Dass diese Summe sogar noch aufgestockt werden müsse, sei angesichts der großen Nachfrage nicht auszuschließen.

 

„Allein bei lippischen Stadtbusbetreibern werden Umsatzausfälle in Millionenhöhe erwartet“, sagt Vieregge. Sie hat nachgefragt bei Stadtwerken und Verkehrsbetrieben im Kreis Lippe. Auf der anderen Seite sei aber eine relevant stärkere Auslastung der Busse in Lippe nicht festgestellt worden. „Das spricht zwar für das Preisbewusstsein lippischer ÖPNV-Nutzer, nicht aber für den Auftakt zu einer Verkehrswende“, schlussfolgert Vieregge. Auch werde das 9-Euro-Ticket wohl zumeist als Freizeit-Bahn-Ticket genutzt.

 

Für eine nachhaltige Stärkung des ÖPNV gerade in ländlichen Gebieten bedürfe es deutlich größerer Anstrengungen und einer attraktiveren Ausgestaltung der Angebote zum Beispiel mit dichteren Takten, guten Verbindungen und passenden Rahmenbedingungen. „Das gibt es nicht zum Nulltarif“, weiß Vieregge und zitiert, was ihr gegenüber auch lippische Stadtbusbetreiber forderten: „Wenn der ÖPNV zur Verkehrswende beitragen soll, braucht er mehr Mittel und sei es nur dafür, den Beruf des Busfahrers durch bessere Entlohnungssysteme attraktiver zu machen.“

 

Nach Vieregges Worten setzt auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion neben einer guten Tarifgestaltung besonders auf den nachhaltigen und attraktiven Ausbau des ÖPNV. Sie beantragte deshalb im Bundestag, die für das 9-Euro-Ticket vorgesehenen Mittel „auch dann zur Verfügung zu stellen, wenn damit statt der Umsetzung des Tickets neue zusätzliche ÖPNV-Angebote nachweisbar geschaffen werden“. Die Ampel-Koalition jedoch schmetterte den Antrag ab. „Ein deutlicher Rückschritt für die auch in Lippe gewollte Verkehrswende und für die Mobilität der Menschen in unserer Heimat“, so Vieregge. Allein ein Billig-Angebot sei deutlich zu kurz gesprungen und werde niemanden zum Umdenken motivieren.

 

Als positive Lehre aus dem 9-Euro-Ticket-Projekt führt Vieregge an, dass hier ein bundesweit gültiges Ticket losgelöst von allen lokalen Tarifzonen realisiert wurde. „Darauf sollte man aufbauen“, wünscht sich die lippische Abgeordnete für die weitere Diskussion.

 

Pressemeldung: Kerstin Vieregge.

 

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