Bei der Predatortour handelt es sich um das größte Angelturnier Europas. Mittlerweile hat sich die Veranstaltung auch weltweit einen Namen gemacht und steht den sonst eher aus den USA bekannten Turnieren in nichts nach. Die Angelszene ist weiterhin auf Wachstumskurs und erfreut sich großem Zuspruch – iner der sowohl die Szene, als eben auch dieses Großturnier bestens kennt, ist der Blomberger Daniel Wnendt. Gemeinsam mit seinem Kollegen John Chowns hat er in 2023 zum dritten Mal teilgenommen und ist erneut auf den vorderen Plätzen gelandet. Ein Zufall?

 

Herr Wnendt, schildern Sie bitte zunächst den Ablauf des Turniers?

„Es fischen immer zwei Angler von ihrem Boot aus auf drei Raubfischarten. Hier gilt es jeweils drei Hechte, Zander und Barsche in möglichst kapitalen Größen zu fangen. Die Größen werden miteinander addiert, ein cm ist gleich ein Punkt. Zuerst müssen drei Hechte in der Wertung sein, dann die Zander, zuletzt die Barsche. (Anm. d. Red.: Werden am Ende drei Hechte und nur zwei Zander gefangen gehen die drei Barsche nicht in die Wertung ein.) Ist das geschafft, gibt es 1000 Punkte extra – unabdingbar für eine Platzierung im vorderen Drittel. 148 Teams mit den besten Anglern aus 17 Ländern treten an drei aufeinander folgenden Tagen gegeneinander an. Die Angeltage starten morgens um 7.45 Uhr und enden um 16 Uhr, die Boote müssen schon gegen 6 Uhr fertig für den Check Up sein. Jedes Boot wird überprüft und gründlich durchsucht, so dass nicht die Möglichkeit besteht, bereits Zielfische mitzuführen und diese später in die Wertung einzubringen. Jeder bekommt kurz vor dem Start einen QR-Code, welcher auf das Maßband für das Fangfoto aufgeklebt werden muss.“

 

Das klingt zunächst recht sicher und fair. Und dennoch gab es Betrüger?

Tatsächlich wurde ein Team, welches in den letzten beiden Jahren auf dem ersten Platz gelandet ist aufgrund von Regelverstößen disqualifiziert und durfte nicht mehr antreten. Deren Name ist in der Angelszene, in der es sonst bei allem sportlichen Ehrgeiz sehr fair zugeht, regelrecht verbrannt.

 

Warum überhaupt betrügen?

Nun, zu gewinnen gibt es, abgesehen vom Prestige, sehr hochwertige Sachpreise. So bekommt zum Beispiel der Sieger 5.000 Euro in bar, einen Außenborder im Wert von 21.000 Euro und eine Fernreise im Wert von 10.000 Euro. Selbst wir, auf dem 9. Platz gelandet, haben immerhin noch Sachpreise im Wert von 3.500,- Euro erhalten. Der Anreiz zu betrügen ist, sofern man materiell eingestellt ist, also durchaus gegeben.

 

Sie sind als gesponserter Angler ins Feld gegangen?

Richtig, in diesem Jahr startete ich mittlerweile das dritte Mal mit meinem Angelkollegen John Chowns. Er ist hauptberuflicher Angelguide in den Niederlanden und kennt sich ebenfalls bestens aus. Trotz dessen ist die Anspannung vor einem solchen Turnier sehr groß. Viele der Angler kennen die guten und begrenzten Angelstellen der Turniergewässer und man legt sich eine Taktik zurecht. Welchen Spot fährt man zuerst an? Welcher Zielfisch sollte mit Blick auf das Wetter zuerst befischt werden? Und vieles mehr. Wir wurden unterstützt von der Firma Garmin, einem Unternehmen, welches sich u.a. mit Navigationssystemen und Echoloten beschäftigt.

 

Wie sieht so eine Unterstützung aus?

Die Firma Garmin hat in unserem Fall die Startgebühr in Höhe von 1.100,- Euro für uns übernommen, es gibt aber auch Teams die komplett gesponsert werden, die bekommen dann zum Beispiel auch noch Unterkunft und Verpflegung gestellt.

 

In 2021 sind Sie auf Platz 10 gelandet, im letzten Jahr „nur“ auf Rang 67. Woran hat es gelegen?

Wir hatten uns ganz klar regelrecht verzockt. Aufgrund der Wettervorhersage hatten wir uns für das pelagische Angeln entschieden und so den ersten Tag komplett für das zeitintensive Angeln auf große Freiwasserfische investiert. Diese Methode ist sehr zeitintensiv, Zeit die uns dann am Ende gefehlt hat – die Fische haben einfach nicht gebissen, gleichwohl sie auf dem Echolot gut erkennbar gewesen sind. Das haben wir in diesem Jahr wieder besser gemacht.

 

Schildern Sie uns kurz den Ablauf der diesjährigen Europameisterschaft?

Tag1: Mäßiger Wind ist angesagt, welcher dafür sorgt, dass die Wasseroberfläche durch kleine Wellen gebrochen ist und das Wasser leicht angetrübt ist. Auf der einen Seite ist dies gut, da die Fische schlechter sehen können und somit etwas unvorsichtiger sind. Auf der anderen Seite heißt es aber auch, dass man näher an die Fisch ´dran muss, damit sie die Köder besser wahrnehmen können. Besonders im Flachwasser ist dies durch den aufgewirbelten Sand wichtig. Wir wissen aber, dass der Wind in den kommenden Tagen noch leicht zulegen soll und entschließen uns daher den ersten Tag – und wenn nötig den zweiten Tag – ausschließlich auf sehr große Barsche zu fischen. Bei dieser Angelei und Bedingungen, stehen die Chancen zudem sehr hoch auch gute Hechte und Zander als Beifang zubekommen. Der Zander steht nach seinem Laichgeschäft oft noch flach und die Hechte stehen eh gern flach im Kraut. Auch dieses Jahr vermuteten wir die kapitalen Barsche in 1-3 Meter Wassertiefe, also in geringer Tiefe. Das gemeine an dieser Angelei ist, dass die Großbarsche zu dieser Jahreszeit noch sehr aktiv sind und nur in kleinen Trupps unterwegs sind. Also muss sehr ausdauernd eine möglichst große Fläche abgefischt werden.

An unserem ersten Spot angekommen verfolgen unseren Plan. John fischt einen kleineren Chatterbait und ich einen recht großen. Diese Köder sorgen für ordentlich Druck unter Wasser und machen so auf sich besonders stark aufmerksam. 45 Minuten passiert nichts, was sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlt. Dann endlich der erste Biss! John ist im Drill mit einem recht großen Hecht, welcher an einer Barschrute schon ordentlich Druck macht. Besonders wenn sie immer wieder ins Kraut ziehen. Der Drill dauert verhältnismäßig lange und sorgte so für ziemlich viel Aufregung. Doch dann war er endlich im Kescher. Ein 92 cm Lager Hecht. Zwar nicht der dicke Barsch aber ein super Wertungsfisch. Wir wissen die Barsche sind trotzdessen hier und wir bleiben dem Platz treu. Keine 10 Minuten später wiederholt sich dieses Szenario und John drillt wieder an der leichten Rute einen guten Hecht. Das selbst Spiel, viele lange Fluchten des Hechts sorgen für Adrenalin und wir hoffen ihn nicht zu verlieren. Er fühlte sich deutlich stärker an als der erste Hecht, welcher sich dann aber als ein etwas Kleiner von 87 cm entpuppte. Der zweite Hecht in der Wertung. Gut das nimmt schon einmal Druck raus und sagt uns, wir müssen bleiben und darauf warten, dass die Barsche aktiv werden. Der dritte Hecht wird heute von allein kommen. Nun passierte eine Stunde nichts mehr aber wir blieben dem Platz treu. Zum Glück! Den nun bekam ich einen Biss und den Kopfschlägen zu urteilen nach, müsste dies ein ordentlicher Barsch sein. Und so war es auch, ein toller 42 cm langer Barsch brachte uns den ersten ersehnten schwierigen Stachelritter ein. Unglaublich wichtig für das Vertrauen in den Angelplatz.

 

Also war klar, dass wir noch etwas bleiben würden. Aber dann passierte wirklich nichts mehr und der Wind flachte, anders als angekündigt, deutlich ab. Also entschlossen wir uns doch einen sehr nahegelegenen Spot pelagisch zu befischen. Es waren nur sehr wenige Fische im Freiwasser unterwegs, doch zwei Zander konnten wir schnell fangen. Einen von 68 cm und den Zweiten mit 60 cm. Nun fehlte uns nur noch ein Hecht, ein Zander und zwei Barsche. Uns bleiben noch drei Stunden am ersten Tag und wir entschlossen uns wieder zum ersten Spot zurückzufahren. Das hieß für uns sehr wenig Zeit mit fahren zu verlieren und zudem an einem vertrauten Spot zu fischen. Wir waren keine 15 Minuten dort, da schlug es bei mir in der Rute ein ich hätte schwören können, dass es ein wirklich guter Zander ist. Es war ein 63 cm großer Zander, welcher sich wie ein 80er anfühlt. Aber völlig egal, die Zander waren somit voll. Also weiter machen, die Zeit war auf unserer Seite. John und ich motivieren uns immer wieder gegenseitig. Immer wenn er den Platz verlassen wollte, sagte ich „Lass uns bleiben“ und genauso umgekehrt. Der größte Feind in solch einem Turnier, ist der eigene Kopf. Jetzt bekam John wieder einen Biss. Er schrie, Barsch, Barsch, Barsch!!!! und er behielt zum Glück Recht. Ein 37er Barsch sorgte nun dafür, dass wir wirklich die Chance hatten am ersten Tag die Karte voll zu machen. Das schaffen am ersten Tag nur sehr wenige Teams und würde so dafür sorgen, dass wir an den folgenden zwei Wettkampftagen keinen Druck mehr hätten. Eine tolle Vorstellung.

 

Uns blieben nun noch etwa 2 Stunden. Wir warfen und warfen unsere Köder im Flachen dicht am Kraut entlang oder knapp über das Kraut. Doch die Bisse blieben aus. Dann endlich ein guter Biss bei mir und ein schwerer Drill begann, welcher nach 10 Sekunden wieder vorbei war. Der Fisch ist ausgestiegen. Neiiiiiiiiiiiiiin…… so eine Sch…
Das war er, der fehlende dritte Hecht. Naja, dass ist halt Angeln. Aber das sogenannte Beissfenster scheint sich wieder zu öffnen. Kurz darauf war die Rute von John wieder krumm. Und tatsächlich, es ist der fehlende Hecht. Er misst 82cm und sorgt dafür, das wir schlagartig in die Top 10 rutschen. Nun fehlt uns nur noch ein Barsch für die Fullcard. Eine Stunde bleibt uns noch. Wir beiden haben noch zwei andere Spots im Kopf und entscheiden uns den Spot zu verlassen und den beiden anderen je 20 Minuten zu geben.

 

Der erste Spot bringt keinen Barsch aber einen 70er Hecht welcher aber nichts an unserem Punktestand verändert. Nun schnell zum letzten Spot des Tages. Wir beide wissen, dass es hier immer wieder gute Barsche zu fangen gibt. Und so auch heute, fünf Minuten vor Schluss bekomme ich den erhofften Biss. Sofort war klar, dass es ein großer Barsch ist. Wir müssen uns beeilen, der Fische darf aber nicht aussteigen, also behutsam drillen. Die Zeit läuft, jetzt ist er im Kescher, Geschrei und Jubel bei uns, der Fisch muss aber noch vermessen, fotografiert und hochgeladen werden. Das alles in noch 3-4 Minuten. John nimmt ihn aus dem Kescher, legt ihn auf das Maßband, 48 cm, Foto mit dem Handy, Foto sieht gut aus, auf hochladen klicken und hoffen, dass die Zeit gereicht hat. Sie hat gereicht, Platz 2 mit 0,2cm hinter dem Ersten in der Wertungstabelle. Eines von sieben Teams mit einer Fullcard. Nun bricht der Jubel und die Freude aus uns heraus. In der Nähe liegende Teams kommen zu uns, freuen sich mit uns und feiern unsere Emotionen. Ein toller Moment der Lust auf mehr macht. Nun liegt es bei uns die kommenden Tage dran zu bleiben.

 

Tag2: Der Start steht kurz bevor, heute haben wir einen Marshall (namens Stan) auf dem Boot. Jedes Team in den Top 10 bekommt jemanden zugewiesen. Die Plätze 11-25 werden mit einer Livekamera versehen. Dies ist eine neue Regel, welche aus den Betrügereien der letzten beiden Jahren resultiert. Wir selbst haben uns heute vorgenommen pelagisch auf große Zander zu fischen. Diese Angelei geht allerdings nur bei einigermaßen guten Windverhältnissen, welche heute gerade so gehen. Für den dritten Tag ist deutlich mehr Wind angesagt. Die ersten Spots des Tages bringen allerdings nur sehr wenige gute Freiwasserfische und die Zander die wir finden reagieren leider überhaupt nicht. Es dauert 2-3 Stunden, bis der erste Zander reagiert und beißt. Ein 76er Zander, welcher den 60er aus der Wertung wirft und somit 16 Punkte bringt.

Mittlerweile sind noch ein paar Teams mit einer Fullcard dazugekommen, wir sind aber noch immer in der Top 10. Nun geht es weiter und wir entscheiden uns dazu in anderen Bereichen nach größeren Hechten zu suchen. Auch hier vergehen 1-2 Stunden bevor wieder etwas passiert. Aber dann zum Glück richtig. Wir finden gleich zwei nebeneinander stehende große Signale. Wir sind uns nicht sicher, sind es kleinere Welse oder tatsächlich zwei große Hechte? Wir lassen unseren Köder runter, das kleinere Signal reagiert und stürzt sich auf den Pintail. Der Drill beginnt und es ist klar, ein dicker Hecht hängt am andern Ende der Schnur. Zum Vorschein kommt eine 109 cm große Hechtmutti. Unser Plan ist aufgegangen. Einen guten Zander und einen guten Hecht verbessert. Wir haben uns so den Platz 6 gesichert und sind somit nach wie vor in der Top 10.

 

Tag 3: Nun geht es um die Wurst. Wieder begleitet uns Stan und wir wollen an unserem gestrigen Plan festhalten. Der Wind soll bis 11 Uhr mitspielen. Diese Zeit wollen wir daher zum pelagischen Angeln nutzen und anschließend (heute nur bis 15 Uhr) auf große Hechte werfen. Auf dem Weg zu einem tiefen Bereich, entschließen wir uns dazu einmal einen anderen Bereich genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir suchen daher einen etwas flacheren Bereich ab. Es dauert keine Minute und wir finden tatsächlich einen riesigen Hecht, welcher knapp über dem Grund auf 7 Metern steht. Er ist bisher der größte, den wir vor der Linse haben. Er regiert sofort, stürzt sich auf den Köder und bleibt nicht hängen. Das gibt’s doch nicht, was wäre das für eine Sprung in der Tabelle gewesen. Wir haben ihn aber noch immer im Kegel des Echolots, verfolgen ihn und lassen den Köder erneut runter. Er reagiert wieder und beißt ein zweites Mal. Doch der Haken sitzt auch diesmal nicht. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ob man es glaubt oder nicht, der Hecht war noch immer im Kegel und der Köder wurde ihm ein drittes Mal angeboten. Er biss wieder, blieb wieder nicht hängen und schwamm anschließend weg. Dieser Fisch hätte uns gute 30 Punkte mehr gebracht. Nach zehn Minuten Demotivation ging es dann aber weiter.

 

Wir begannen also in tieferen Regionen nach großen Zandern im Freiwasser zu suchen. Auch hier zeigte sich, dass diese einfach nicht unterwegs waren und so mussten wir ziemlich lange suchen um nennenswerte Sicheln zu finden. Aber durchhalten wird ja bekanntlich belohnt und so konnten wir dann gegen Mittag einen 78er Zander fangen und in die Wertung bringen. Wir waren somit noch immer auf Platz 6.

 

Wie geht es nun weiter? Fahren wir jetzt flacher und gehen auf den einen großen Hecht? Oder suchen wir pelagisch weiter nach großen Fischen? Der Wind frischte nämlich nicht wie angekündigt auf und so ging das Kopfkino wieder los. Wir entschieden uns dazu weiter auf die Suche zu gehen und das mit Erfolg. Etwa zwei Stunden vor Schluss fanden wir einen guten Hecht, welcher scheinbar direkt Interesse an unserem Köder zeigte. Er lauerte gut unter unserem Köder, schnappte zu und blieb hängen. Ein 102cm großer Hecht schmiss nun den 87er raus und sicherte uns zunächst einen Top 10 Platz. Was machen wir nun? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit noch einmal einen 100 cm oder einen 90er Zander zu fangen um noch einmal gute 10 Punkte gutzumachen? Oder ist es vielleicht doch besser wieder auf einen 45plus Barsch zu werfen? Das würde auch knapp 10 Punkte bringen? Und es besteht die Möglichkeit, dass ein besserer Hecht einsteigt. Wir entschieden uns für Letzteres und warfen wieder unsere Chatterbaits.

 

Am Ende kam weder ein Barsch noch ein Hecht und wir rutschen von Platz 6 auf einen sehr guten 9. Platz. Es erneut in die Top 10 geschafft zu haben macht uns am Ende stolz. Für das Treppchen gehört auch das nötige Glück des Tüchtigen dazu. Vielleicht ist dies im kommenden Jahr der Fall. Auch dieses Jahr haben wir wieder viel dazugelernt und freuen uns schon jetzt auf die Tour 2024.

 

Am Ende reichte es also für einen hervorragenden Platz 9 in der Gesamtwertung.

Ja, und damit sind wir extrem zufrieden. Natürlich hat Angeln auf dem Niveau auch immer ein wenig mit Glück zu tun, also damit, dass in dem Zeitfenster auch genau die richtigen Fische anbeißen. Es hat aber auch mit Erfahrung und auch mit Equipment zu tun. Wir sind schon gut ausgestattet, mit Blick auf die Ausrüstung unserer Kollegen haben wir aber auch noch ganz viel Luft nach oben.

 

Daniel Wnendt: Ein Blomberger, der sich auf europäischer Bühne einen Namen gemacht hat. (Lesetipp: www.talsperren-angelguiding.de)