Als der TBV Lemgo Lippe letztmals in der Phoenix Contact-Arena vor Zuschauern spielte, fuhr er gegen die Eulen aus Ludwigshafen die Saisonpunkte drei und vier ein. Fast auf den Tag genau acht Monate später dürfen Lippes Bundesligahandballer als frischgebackener Pokalsieger erstmals wieder vor Fans spielen, obzwar es im Vergleich zum Oktober „nur“ 500 sind.

 

Das historisch Geleistete nun zumindest mit einer kleinen Anhängerschaft teilen zu können, „darauf freuen sich die Jungs und ich als Trainer ganz besonders“, frohlockt Florian Kehrmann bereits vor dem Duell am Donnerstag (Anwurf 19 Uhr, live auf Sky Sport 4 HD) mit dem Bergischen HC. Weil beim TBV für Selbstzufriedenheit dennoch kein Platz ist, lautet seine Devise: „Weitermachen, alle Kräfte bündeln, sich gut vorbereiten und Freude mitnehmen“.

 

Beim letzten Löwenbesuch im Lipperland nahm das Pokalmärchen bekanntlich mehr Gestalt an: Durch ein hart umkämpftes 27:24 zog der TBV im Oktober 2019 erstmals nach 2006 wieder ins Viertelfinale ein. Auch Gästetrainer Sebastian Hinze, der das Löwenrudel nach der Saison 2021/22 wechseln wird, hat das REWE Final4 verfolgt. Für den bald dienstältesten Trainer des Handball-Oberhauses – seit 2012 hat Hinze beim BHC das Sagen – war der Lemgoer Pokal-Triumph „ein beeindruckender. Vor allem im Finale hat Lemgo völlig verdient gewonnen. Die Mannschaft ist zurecht euphorisiert, freier könnte der Kopf wohl nicht sein.“

 

Bei aller Wertschätzung für die jüngsten Leistungen des TBV wird der BHC aber nicht kleinbeigeben wollen. Deshalb rechnet Florian Kehrmann mit sehr aggressiv auftretenden Gästen, die ihr eigenes Tempospiel forcieren werden: „Der BHC spielt in der Abwehr mit sehr viel Körperkontakt und versucht immer wieder, unseren Angriff zu stressen und zu Fehlern zu zwingen.“

 

Das Hinspiel im Bergischen Land, in welchem man recht deutlich mit 26:33 unterlag, ist Warnung genug. Gleichwohl kann Kehrmann diesmal auf Andreas Cederholm und Frederik Simak zurückgreifen, die das Hinspiel noch verletzungsbedingt verpassten. Die punktgleichen Solinger stehen als Tabellenelfter den Lemgoern bereits auf den Füßen: „Es ist die nächste Aufgabe gegen eine Mannschaft auf Augenhöhe, in der wirklich wieder auf Kleinigkeiten ankommen wird“, weiß Kehrmann.

 

Im Rückraum verfügt der BHC mit Kapitän Fabian Gutbrod (122 Tore), Topscorer David Schmid (123) oder dem wiedergenesenen Junioren-Nationalspieler
Alexander Weck über hohe Präzision, mit Linus Arnesson und dem flinken Tomas Babak über Spezialisten im Eins-gegen-Eins. Sicher fehlen wird BHC-Coach Sebastian Hinze sein isländischer Rechtsaußen Arnor Gunnarsson, dem eine Muskelverletzung in der Wade zu schaffen macht.

 

Lange Zeit waren die Löwen in der oberen Tabellenhälfte angesiedelt, drauf und dran, ihren größten Raubzug in ihrer Bundesliga-Geschichte zu vollenden. Heißt: besser als Platz sieben. Der BHC punktet zwar immer noch beständig, seit der neuerlichen Quarantäne aber – ein Mitglied des Funktionsteams war Ende April positiv getestet worden – fiel die Ausbeute zunehmend geringer aus.

 

Der Kaltstart beim 32:22 in Essen gelang noch eindrucksvoll, als die Abwehr um Csaba Szücs, dem norwegischen Neuzugang Tom Kare Nikolaisen und Max Darj, hinter dessen Einsatz nach der jüngst erlittenen Gehirnerschütterung noch ein Fragezeichen steht, ein entscheidender Faktor war. Auf dem bis dato 13. Saisonsieg fußten im Mai allerdings vier Niederlagen in Folge – darunter gegen die Eulen und Balingen. Die Konstanz ist dem Hinze-Team seitdem etwas abhandengekommen, sechs Punkte aus neun Spielen belegen dies. Bis das Coronavirus mit fünf positiven Fällen im April in den Reihen des BHC grassierte, war man mit fünf Siegen und einem Remis durchaus beeindruckend ins Kalenderjahr 2021 gestartet.

 

Noch schlägt das Pendel im Bundesliga-Vergleich beider Teams knapp zugunsten der Löwen aus. Mit einem Sieg im 33. Saisonspiel könnten die Lipper nicht nur gleichziehen und Revanche für das Hinspielresultat im Februar nehmen, sondern gar vorzeitig ihre beste Saison des zurückliegenden Jahrzehnts gespielt haben. Kehrmann: „Wir haben die Möglichkeit, aus einer schon jetzt sehr, sehr guten Saison, eine außergewöhnliche und herausragende zu machen. Das ist das große Ziel!“

 

Die Unparteiischen sind Tobias Tönnies und Robert Schulze. Ab 18.30 Uhr stimmt Pay-TV-Sender Sky auf die vier Spiele ein, den Heimauftritt des TBV in voller Länge gibt es auf Sky Sport 4 HD.