Mit einem starken Vortrag im Vatertagsduell gegen den TVB Stuttgart hat der TBV Lemgo Lippe seinen neunten Saisonsieg in der Phoenix Contact-Arena eindrucksvoll unter Dach und Fach gebracht. 35:29 (19:15) lautete das Endresultat eines munteren Handballabends, mit dem die Lipper nach zuletzt zwei Heimniederlagen in Folge erfolgreich den Turnaround schafften.

 

Wie schon bei den jüngsten Auftritten in Wetzlar und gegen Hannover konnte TBV-Trainer Florian Kehrmann im zweiten Heimspiel in Folge auf einen bewährten Stamm zurückgreifen. Neben den langzeitverletzten Jari Lemke und Tim Suton musste einzig Kreisläufer Marcel Timm krankheitsbedingt passen. Er wurde in der Anfangssieben durch Christoph Theuerkauf ersetzt, der fortan mit Gedeón Guardiola den Spezialistenwechsel vollzog. Für Lukas Zerbe war Bobby Schagen gegen seinen alten Klub auf den rechten Flügel zurückrotiert.

 

Gegen den schwäbischen Tabellennachbarn, der allerdings vier Spiele mehr auf dem Buckel hat, lieferte sich der TBV anfangs einen munteren Schlagabtausch, in der beide Seiten die Fehler des anderen zunächst konsequent ausnutzten. Nach Theuerkaufs Ausgleich zum 5:5 setzten die Lipper zum ersten Lauf an – und lagen nach zwölf Minuten erstmals mit drei Toren vorn (9:6). Von da an erwischte der TBV die Schwaben nun öfter auf dem falschen Fuß, stibitzte immer wieder die Bälle und ging konsequent in den Gegenstoß.

 

Nach dem 13:8 durch den inzwischen eingewechselten Frederik Simak hatte TVB-Trainer Jürgen Schweikardt genug gesehen – und nahm nach 16 Minuten die erste Auszeit der Partie. Kehrmann hingegen dürfte mit dem Auftritt seiner Mannen bis dahin sehr zufrieden gewesen sein, die aus der 6:0-Abwehr immer wieder auf die Halbpositionen geschoben und den gefährlichen Stuttgarter Rückraum punktuell unter Druck gesetzt hatten.

 

Nachdem Simak sehenswert im Sturzflug noch den am Kreis postierten Theuerkauf bediente und dieser auf 16:9 stellte, verkürzten die „Wild Boys“ in einer torreichen Partie wieder durch ihren Topscorer Viggo Kristjansson auf fünf Tore. Kehrmann appellierte in der Auszeit an sein Team, weiter viel investieren zu müssen: „Weiter Tempo, weiter umschalten“, lautete die Message. Das letzte Wort in einer höchst unterhaltsamen ersten Hälfte hatten die Gäste in Person von Samuel Röthlisberger, der für die in Schwarz-Gelb spielenden Schwaben auf vier verkürzte.

 

Die zweite Hälfte versprach also weiterhin Spannung – und blieb abwechslungsreich. Mit einem Simak-Doppelpack und Theuerkaufs fünftem Treffer hielt der TBV die Gäste zunächst weiter mit drei Toren auf Distanz. Als Adam Lönn für den TVB auf zwei Tore verkürzte, nutzten G. Guardiola und Elísson zwei Patzer zum blitzschnellen 24:19. Die Bittenfelder agierten weiter in Überzahl – und sahen sich beim 26:24 nach einer Dreiviertelstunde erneut in Reichweite.

 

Und als man das Gefühl bekam, dass die Partie noch einmal eng werden könnte, zeigte sich der Gastgeber entschlossen, dies zu verhindern. Bobby Schagen und ein in Durchgang zwei stets abschlussfreudiger Andreas Cederholm antworteten postwendend mit ihren Toren zum 29:24. Knapp fünf Minuten vor Schluss, als Kehrmann seine Schützlinge auf die letzten Minuten einschwor, lagen die Lipper weiter mit vier Toren vorn. Kurz zuvor hatte der gerade erst eingewechselte Lukas Zerbe einen weiteren Tempogegenstoß vollenden können.

 

Wichtig auch Dani Baijens‘ erstes Tor zum 33:29 sowie im Gegenzug Johannessons Parade. Den Sieg fest zurrte schließlich Elísson zum 34:29 zwei Minuten vor Schluss, dem mit seinem achten Tor bei 100-prozentiger Wurfquote zum 35:29 auch das letzte Wort gehörte. Mit vier Paraden binnen weniger Augenblicke wusste sich auch Johannesson, der damit auf 30 Prozent gehaltene Bälle kam, zum Ende sehenswert auszuzeichnen.

 

Entsprechend happy über die tolle Mannschaftsleistung zeigte sich auch Kehrmann anschließend am Sky-Mikro: „Wir haben heute alle Facetten des Handballsports erlebt. Es gab viel Kampf in der Abwehr und viel Tempo auf beiden Seiten. Durch eine bessere Abwehr sind wir in der ersten Halbzeit besser ins Spiel gekommen. In der zweiten Hälfte hatten wir eine Phase, in der wir ein, zwei Situationen im Angriff liegenlassen. Trotzdem hatten wir irgendwo immer die Kontrolle über das Spiel und haben letztlich auch in der Höhe verdient gewonnen.“

 

TBV Lemgo Lippe: Johannesson (9 Paraden), Zecher (1 Parade); Elísson (8/1), Kogut (2), I. Guardiola (1), Simak (5), Carlsbogård (1), Theuerkauf (5), Schagen (2), Hangstein, Zerbe (1), G. Guardiola (5), Cederholm (4), Geis, Reimann, Baijens (1).