Zum zweiten Mal in dieser Woche empfängt der TBV Lemgo Lippe Besuch aus dem hohen Norden – erneut erwartet die Blau-Weißen ein hartes Stück Arbeit. Ob die SG Flensburg-Handewitt die rund 390 Kilometer lange Fahrt ins Lipperland mit dickem Hals antreten wird, ist zwar nicht übermittelt. TBV-Trainer Florian Kehrmann rechnet dennoch fest damit, dass die Norddeutschen nach dem jüngsten Punktverlust gegen die Rhein-Neckar Löwen am Sonntag (Anwurf 16 Uhr, live auf Sky Sport 3 HD) mit einer „Jetzt erst recht“-Mentalität und einer gehörigen Portion Wut im Bauch in der Phoenix Contact-Arena auflaufen werden. Und wie am Freitag bekannt wurde: mit einer kurzerhand reaktivierten Torwart-Legende.

 

„Sie dürften sich im Meisterschaftskampf jetzt gar nichts mehr leisten und müssen trotzdem auf Schützenhilfe hoffen.“ Lemgos Coach weiß um Flensburgs Nehmerqualitäten: Gegen die Löwen holten sie noch einen zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Rückstand auf, schützten so ihre unfassbare Heimbilanz, in der seit Dezember 2017 keine Niederlage mehr erfasst steht. Dennoch entführten die Löwen beim 26:26 einen verdienten Punkt, das war in dieser Saison bislang einzig dem TBV beim 27:27-Hinspiel im Februar gelungen. Das dürfte die Wut im Bauch nicht kleiner werden lassen.

 

Nichtsdestotrotz wird sich der TBV mit alle Mann dagegenstemmen: „Wir müssen versuchen, ihnen so viel Wind wie möglich aus den Segeln zu nehmen.“ Kurz vor dem heiß erwarteten Showdown in Hamburg lautet seine Devise daher: weiter Vollgas geben! Wenige Tage vor dem schnellen Wiedersehen mit Kiel im REWE Final4 sind die Fördestädter für den TBV der letzte und geeignetste Prüfstein.

 

Gleichwohl die Karten an Fronleichnam neu gemischt werden: Nebst all der hohen individuellen Klasse stellt Flensburg das Team mit den wenigsten technischen Fehlern in der Liga, ist dem THW damit nur eine Nasenspitze voraus. Für die Lipper wird also entscheidend sein, „mit einer sehr guten Abwehrleistung ins Tempospiel zu kommen. Wir werden sie nicht komplett dominieren können, aber versuchen müssen, ihre Waffen zu entschärfen.“

 

Nach der 24:30-Niederlage in Berlin müsse sich der TBV nun auf eine gänzlich andere Spielweise einstellen: „Flensburg spielt einen sehr breit angelegten Angriff und hat gute Eins-gegen-Eins-Spieler.“ Mit Hochgeschwindigkeitspässen versuchen die Flensburger störrisch, Lücken in die gegnerische Abwehr zu reißen. Auch am eigenen Kreis ist die Mannschaft von Maik Machulla bestrebt, aus ihrem sehr aggressiven und körperbetonten Deckungsverhalten Bälle zu erzwingen und schnell umzuschalten.

 

Eine bewährte Adresse im Tempogegenstoß ist der Schwede Hampus Wanne, der mit 172 Treffern der Top-Torschütze bei den Norddeutschen ist. Der 27-Jährige ist nicht nur in der Flensburger Angriffswelle eine Schlüsselfigur, sondern auch in der Nationalmannschaft: Erst vor kurzem kürte man ihn deshalb zu Schwedens Handballer des Jahres 2021.

 

Nach wie vor kein Faktor bei der Spielgemeinschaft sind hingegen die langzeitverletzten Neuzugänge Franz Semper (Reha nach Kreuzbandriss) und Lasse Möller (Knorpelschaden). Hinzu kommt Keeper Benjamin Buric, der sich beim kürzlichen Viertelfinal-Aus in der EHF Champions League einen Muskelteilriss zuzog und noch mehrere Wochen fehlen wird.

 

Der Name seines künftigen Stellvertreters könnte kaum prominenter sein: Am Freitag gaben die Flensburger das sensationelle Comeback von Henning Fritz bekannt, der mit 46 Jahren noch einmal zwischen den Pfosten stehen und schon für das Gastspiel im Lipperland spielberechtigt sein wird.
Insgesamt standen sich beide Mannschaften in ihrer langen Bundesliga-Zugehörigkeit bislang 56 Mal gegenüber, in 18 Duellen gab es doppelte Punkte für den TBV, zuletzt am 27. März 2013.

 

Damals zogen die Lipper mit dem 27:22-Heimsieg einen Schlussstrich unter die Flensburger Serie von bis dato 23 ungeschlagenen Partien. Und sollte am Ende wieder ein Punkt herausspringen, dürfte das im Vorfeld ein jeder TBV-Anhänger sicher wohlwollend unterschreiben. Das Schiedsrichtergespann am Sonntag bilden die Schwestern Tanja Kuttler und Maike Merz. Bezahlsender Sky stimmt ab 15.25 Uhr auf Sky Sport 2 HD auf die weiteren fünf Sonntagsspiele ein. Den kompletten Heimauftritt des TBV gibt es ab 15.55 Uhr live auf Sky Sport 3 HD.